Die Sache Makropulos


Nationaltheater Brno

Dirigent: Marko Ivanović
Regisseur: David Radok
Bühnenbild: Zuzana Ježková, Ondřej Nekvasil
Kostüme: Zuzana Ježková
Beleuchtung: Petr Kozumplík
Chorleitung: Pavel Koňárek
Dramaturg: Pavel Petráněk

BESETZUNG: Emilia Marty: Gitta-Maria Sjöberg Albert Gregor: Aleš Briscein Vítek: Petr Levíček Kristina: Eva Štěrbová Jaroslav Prus: Svatopluk Sem Janek: Peter Račko Dr Kolenatý: František Ďuriač Ein Theatermachinist: Jiří Klecker Eine Aufräumefrau: Jitka Zerhauová Hauk-Schendorf: Josef Škrobánek Eine Kammerzofe:  Jana Wallingerová

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Seine siebte Oper, „Die Sache Makropulos“, vollendete Janáček 1925 im Alter von 71 Jahren. Weshalb griff er gerade auf ein Drama Josef Čapeks zurück, das von seinem Thema her auf den ersten Blick weit von Janáčeks übrigen Opern entfernt scheint? Offenbar war es ihm ein Bedürfnis, auf die Frage nach dem Ende des Menschen, dem Sinn des Daseins und seines Erlöschens zu reagieren. Dies zeigt sich bereits im „Schlauen Füchslein“, wo Sterben und Geborenwerden Hand in Hand miteinander gehen. Janáčeks pantheistische Weltsicht tritt hier klar hervor: die Natur hat ihre Ordnung, die zwar grausam anmuten mag, doch ist sie logisch und die einzig denkbare. „Die Sache Makropulos“ behandelt die Frage, was geschieht, wenn eine solche Ordnung künstlich aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Das Schicksal eines Menschen, der 300 Jahre lebt, wird unerträglich, er verliert den Sinn seiner Existenz und seinen Glauben. Ein solches Wesen wird auf der formalen Seite zur vollkommenen Persönlichkeit, im Innern wandelt es sich jedoch natürlicherweise zur Kreatur. Es lässt sich folgern, dass Čapek sein neues Werk gerade zur rechten Zeit herausbrachte und genau die Überlegungen des Komponisten traf. Die Oper wurde am 26. Dezember 1926 am Brünner Nationaltheater auf der Bühne des damaligen Stadttheaters (heute Mahen-Theater) uraufgeführt und wurde zu einem fulminanten Erfolg. Dahinter stand sicherlich auch die ausgezeichnete Einstudierung des Dirigenten František Neumann, des Regisseurs Otakar Zítek sowie der Hauptdarstellerin Alexandra Čvanová, die zu diesem Zeitpunkt erst 29 Jahre alt war. Was fasziniert uns an dieser Oper bis heute? Sicherlich ihre Modernität und das exklusive Ambiente, wo telefoniert und mit dem Auto gefahren wird, aber auch die geheimnisvolle Spannung einer gut durchdachten Detektivgeschichte. Vor allem jedoch die mitreißende Musik Janáčeks und die Fähigkeit des Komponisten, Wort und Musik in vollendeter Form zu einem musikalisch-dramatischen Ganzen zu verbinden.

Jiří Zahrádka